Interview mit Disposable (William Robertson)

Disposable Live 1
In der neunten Ausgabe des Hammerheart-Magazins hatte ich bereits die Ehre die schottischen Thrasher Disposable vorstellen zu dürfen. Nun liegt uns ihre zweite Veröffentlichung in Form einer Vier-Track-EP vor, und das möchte ich zum Anlass nehmen, William Robertson erneut ein paar Fragen zu Bandphilosophie und -strategie zu stellen. Schließlich feuern die Dreadlocked Riff Demons mit „Life Misguided“ ein absolut scharfes Geschoss ab, das jede Nackenmuskulatur zu splattern vermag. Dies sollte jedem Thrasher Grund genug sein, um diese junge Band zu supporten!

Hallo William! Wie ist es Euch so das letzte Jahr ergangen? Habt Ihr die komplette britische Insel mit Eurer Musik erobern können?

Wir spielten ein paar Shows in Großbritannien und schrieben die EP. Wir wagten uns an neue Orte in UK und kehrten zu unseren Lieblingsplätzen in Schottland zurück, um den Ball nicht ausrollen zu lassen. Einen Großteil der Zeit in der Mitte des Jahres 2015 verbrachten wir mit dem Schreiben der EP, und am Ende des Jahres nahmen wir sie auf. Nach dem Aufnahmeprozess haben wir viel Zeit und Geld in die EP investiert und benötigten hinterher eine kurze Auszeit, um uns neu zu sortieren. Im Juli 2016 veröffentlichten wir schließlich die EP durch das neue Label Fractured Mind Records. Für nur vier Songs war es eine lange Reise, aber wir wollten alles richtig machen. Seitdem haben wir an vielen neuen Orten in Großbritannien gespielt, doch vor uns liegt noch ein weiter Weg. Diesen werden wir aber gehen!

Euer angedachtes Split-Projekt mit Terraform konnte wohl nicht realisiert werden, nehme ich an. Mit der EP „Life Misguided“ schlagt Ihr dafür selbst gewaltig zurück. Diesmal aber nicht mit Quergh Records als Partner. Was ist passiert? War die Zusammenarbeit mit diesem kleinen Label doch nicht so zufriedenstellend für Euch?

Wir hatten gehofft, zusammen mit Terraforming etwas auf die Beine stellen zu können – und das eigentlich nur aus Spaß, weil wir online mit den Jungs befreundet sind – doch leider sind sie nicht mehr als Band aktiv, so dass sich diese Idee in Luft aufgelöst hat. Hin und wieder flehen wir sie an, sich erneut zu einer richtigen Band zusammenzuraufen, aber mittlerweile denke ich nicht, dass wir jemals eine Split-EP mit ihnen realisieren werden.

Der Hauptgrund, warum wir uns dieses Mal für ein anderes Label und nicht für Ouergh Records entschieden haben, lässt sich mit der dahinter stehenden Person begründen. Sie hat einige Dinge in ihrem persönlichen Leben durchlaufen müssen, wodurch sie nicht mehr so viel Zeit in das Label stecken kann. Es hat nichts damit zu tun wie klein das Label war, oder dass wir nicht zufrieden mit der Wahl des Labels waren. Aktuell ist einfach keine gute Zeit für weitere Zusammenarbeit, und um unserer und auch des Labels willen mussten wir uns einfach weiter bewegen. Das neue Label Fractured Mind Records, über das wir „Life Misguided“ herausgebracht haben, ist ebenfalls ein kleines Underground-Label, so dass sich für uns nicht wirklich viel geändert hat.

Disposable Live 2

Das Artwork der EP ist vom Stil her sehr ähnlich wie das von „At the Foot of the World“. Habt Ihr Euch nun doch etwas stärker auf die philosophischen Aspekte Eures Bandnamens besonnen? Oder wie sind dieser industrieller Kopf sowie der Titel „Life Misguided“ zu deuten?

Bei „Life Misguided“ haben wir sehr viel Zeit für die Texte aufgewendet, wir haben versucht sie persönlicher und aussagekräftiger zu machen. Im Gegensatz zu „At the Foot of the World” handeln die Texte der EP über persönliche Meinungen und Emotionen. Insgesamt wollten wir das Ganze etwas „realistischer“ erscheinen lassen. Es ging uns wirklich mehr um die innere Einstellung. Die Phrase „Life Misguided“ stammt aus dem Song „Web of Fear“, und wir haben sie ausgesucht, weil sie uns wirklich als einer der stärksten und für den EP-Titel am besten geeignet erschien. Dann haben wir eine Weile gegrübelt, um auf eine Idee zu kommen, die zu dem Namen passen könnte, und dann kam uns schließlich der zündende Einfall. Wir wollten eine Art Figur, die sich selbst mit Schande beladen hatte. Etwas, das einst großartig, nun aber „fehlgeleitet“ ist.

Im Digipak sind keine Texte abgedruckt. Wovon handeln die vier Songs im Einzelnen? Erzähl mal…

Um die EP mysteriöser zu machen, ließen wir die Texte absichtlich aus. Der Großteil des Gesangs ist recht verständlich, so dass es niemanden viel Mühe bereiten sollte, sich die Texte selbst zu erarbeiten. Zudem fanden wir die Idee gut, das Drumherum der EP so einfach wie möglich zu gestalten.

„Scar my Eyes“ ist ein Lied, für das ich die meiste Musik schrieb, zu dem aber Andrew die meisten Texte beisteuerte. Er ist ein Leidtragender von intensiver Migräne und wollte über diesen Schmerz schreiben. So schrieb er im Grunde genommen Hunderte von Phrasen auf, alle die ihm in den Sinn kamen, als er unter der Qual der Migräne litt, und wir schmiedeten sie zu dem Text um. „Web of Fear“ handelt davon, wie man permanent auf der gleichen Stelle treten kann, wenn man sich nicht seinen Ängsten stellt. Diese Verse sollen eigentlich die Furcht für sich selbst sprechen lassen. Es geht darum, wie einfach es im Wesentlichen ist, sich selbst einzusperren und auf diese Weise jedwede Konfrontation zu vermeiden. Das ist etwas, von dem ich glaube, dass ich es selber oft tue, ebenso wie viele andere Menschen auch, so wie ich es beobachten kann. Es war leicht darüber zu schreiben. „Misery“ ist dagegen ein ziemlich einfaches Lied, sowohl musikalisch wie auch textlich. Wir wollten unsere Haltung gegenüber Menschen, die eine negative Grundeinstellung haben, in einer schlagkräftigen Art und Weise zum Ausdruck bringen. Oft nimmt man Menschen wahr, die sich immer nur auf die negativen Sachen in ihrem Leben fokussieren und sich auch noch über sie beschweren, als ob sie nicht dagegen ankämpfen könnten. Das Leben ist nun mal kein Ponyhof. Es geht um Menschen, die über alles schimpfen und jammern, als ob es nur ihnen schlecht gehen würde. Miserable Bastarde – Schottland ist voll von ihnen. „Shatter“ ist ein Lied über das Treffen von schlechten Entscheidungen. Das war eine gleich geteilte Sache zwischen Andrew und mir während des Schreibprozesses. Der Song resultierte aus dem Wunsch etwas über ein Selbsteingeständnis von etwas total Abgefucktem zu schreiben. Im Metal-Bereich gibt es diese Empfindung, dass man selbst stark und mächtig sein muss, dass die Songtexte schlagkräftig und inspirierend sein müssen. Wir wollten diese Idee umkehren und schreiben deshalb darüber, wie man sich fühlt, wenn man etwas Bedauernswertes getan hat.

Wie geht es weiter mit Disposable? Schon irgendwelche konkreten Pläne für die Zukunft, abgesehen davon, dass Ihr nach Deutschland wollt, um hier in einigen Clubs den Putz von den Wänden zu lösen?

Wir haben lediglich eine kurze Tour durch UK gemacht, die uns aber sehr viel Spaß bereitete, so dass wir hoffen, dies bald wiederholen zu dürfen. Wir wollen ein paar coole und geile Shows in Schottland mit unseren Freunden von Kingpin aus Glasgow wie auch von SKELPED aus Fife spielen. Eine Menge von dem, was wir jetzt in Schottland tun, ist nur eine Wiederholung dessen, was wir schon vorher gemacht haben, von daher möchten wir das Ganze nun so gestalten, wie es exakt unserer Vorstellung entspricht. Nun, wir werden sehen, was passiert. Wir möchten auch Orte in Großbritannien besuchen, die wir bisher ausgelassen haben; es gibt immer noch viele Orte in England, an denen wir noch nie gewesen sind. Das steht auf unserer Liste. Ebenso würden wir gerne bald unsere ersten Shows auf dem europäischen Festland spielen. Wir arbeiten daran, langsam aber sicher. Aber zunächst werden wir zu Beginn des Jahres 2017 unsere ersten Shows in Irland absolvieren, auf die wir uns schon sehr freuen. Wir nutzten „Life Misguided“ als eine Möglichkeit zur Erhaltung unserer Eigendynamik und auch als Vorwand, um weiterhin Shows an neuen Orten spielen zu können. Das ist es, was wir 2017 auch tun werden.

William, danke für Deine ausführlichen Antworten! Noch irgendwelche letzten Worte von Deiner Seite aus?

Kein Thema, war mir ein Vergnügen. Vielen Dank für das Interview! Jeder, der ein Exemplar von „Life Misguided“ haben möchte, kann in unserem offiziellen Shop oder auf unserer Bandcamp-Seite vorbeischauen. Jede Unterstützung ist willkommen! Falls irgendwer in Deutschland irgendwelche Kontakte besitzt, die uns dabei helfen könnten in Deutschland aufzutreten, der kann sich gerne mit uns in Verbindung setzen! Danke noch einmal!

(Fotos: © Alan Swan Gig Photography)