Heimdall, schön dass Du Dir etwas Zeit für Waldhalla nimmst, um einige, aus meiner Neugier geborenen Fragen zu Eurem aktuellen Album „Sagenlieder“ zu beantworten. Gruß und Dank dafür! Wie ich weiß, bist Du Winzer von Beruf. Was mich zunächst brennend interessiert: Hat der regelmäßige Umtrunk mit selbstgekeltertem Wein einen positiven Einfluss auf den kreativen Reifungsprozess Eurer Songs? Das kann ich mir nämlich gut vorstellen, hehe…
Grüße Adam! Und danke für die Einladung zu diesem Interview!
Ich würde sagen, dass der Genuss des Weines bestimmt die eine oder andere Geschichte bzw. Melodie zu Tage gebracht hat. In vino veritas – diese Weisheit mag wohl überall bekannt sein. Der Allvater selbst soll laut Überlieferungen nur dem Wein gefrönt haben, und was für Wotan selbst gerade gut genug war, kann für uns auch nur von Vorteil sein, hehe…
Da Du schon den Allvater mit ins Boot nimmst, kann man wohl davon ausgehen, dass Ihr einen engen Bezug zum nordischen Heidentum habt. Inwieweit schlägt sich dieser bei Euch nieder? Würdet Ihr das pagane Anhängsel Eurer Musik anheften oder sie doch eher als reinen Black Metal ansehen?
Ich denke, dass ich ruhig im Namen der Band sprechen kann, wenn ich sage, dass wir alle eine gewisse Faszination für die nordische Mythologie verspüren. Musikalisch hat sie uns bestimmt auch etwas beeinflusst. Außerdem spielt die wunderschöne Landschaft mit ihren tiefen Wäldern, grimmigen Schluchten und Ehrfurcht erweckenden Bergen eine bedeutende Rolle, wenn es um inspirative Quellen geht! Ob die musikalische Ausrichtung nun pagan ist oder nicht, das kann jeder Hörer selbst für sich entscheiden.
Nun gut, wenn ich mich schon entscheiden darf, dann würde ich Euch auf jeden Fall zumindest den Stempel „pagan light“ aufdrücken, haha… Schwarzer Metal ist definitiv dominierender in Eurem Sound. Aber ich hab gerade gesehen, dass Du einen Teil Deines Schlagwerkes am verhökern bist. Wirst Du in Zukunft keine Doppelfuß-Maschine brauchen? Eine Umorientierung zu Folk? Oder was ist los? Oder habt Ihr vielleicht vor, Euch am Eurovision Song Contest zu beteiligen? Da tummeln sich mittlerweile so einige Metal-verwandte Acts herum und der Folk-Anteil wird da auch immer größer und beliebter…
Hahaha, nein, ich verkaufe nur ein paar ältere Becken und habe natürlich weiterhin eine Doppelfuß-Maschine am Schlagzeug! Varulv ohne Double Bass? Ich denke nicht…
Ich würde mir eher den rechten Fuß absägen, bevor ich an einem dieser Contests teilnehmen würde. Seien wir mal ehrlich, so etwas ist doch zu 90% die reine Volksverblödung – ein kurzzeitiger Schleier, welcher sich über das Bewusstsein der Menschen legt, um von den wahren Problemen unserer Zeit abzulenken. Solange der Pöbel unterhalten wird, ist es ihm egal was um ihn herum geschieht. Außerdem bringt diese Art von Wettstreit meist nicht den besten oder stärksten in einer Sparte sondern das Abartigste und Perverseste zutage. Unsere Musik ist nicht massenkompatibel, man braucht einen gewissen Scharfsinn, um uns zu verstehen. Es gibt nur wenige, welche mit unseren kalten Melodien und den rauen Texten umgehen und nachvollziehen können, was wir fühlten, als wir die Songs schrieben, und was wir damit zum Ausdruck bringen wollen. Es gibt bei uns im Land weitaus massenkompatibleren oder moderneren „Black Metal“, woran sich Mädels zwischen 14 und 19 Jahren erfreuen können. Sollen die doch zu so einer Mistveranstaltung gehen, haha…
Sollte ich doch einmal in der Zukunft hören, dass eine gewisse österreichische Band mit dem Namen Varulv am ESC teilnimmt, dann werde ich Dich an Deine Worte erinnern und Dir höchstpersönlich eine Säge zur Verfügung stellen, haha… Aber Spaß beiseite… Ich bin mir ziemlich sicher, dass Du lieber den Galgen bevorzugen würdest, als so tief herabzusinken. Apropos Galgen… Sie sind auch verwoben in Eurem Logo zu sehen. Was symbolisieren sie für Euch? Und „Varulv“ klingt irgendwie nach „Werewolf“ oder „Warwolf“. Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang, oder liege ich daneben?
Hahaha, glaube mir, das werde ich schon nicht vergessen! Am Galgen aufgeknüpft zu werden ist doch schön, der Darm entleert sich und man kann noch einmal eindrucksvoll zeigen, was man so von der Gesellschaft hält.
Da gibt es einige Gründe, warum die Galgen auf dem Logo sind. Einmal spielt es bestimmt unterbewusst wegen dem Lied „Galgenblüten“, welches auf unserem Vorgänger „Wolfszorn“ (mein Erstlingswerk in Bezug auf die Songtexte) zu finden ist, eine Rolle, und zum anderen waren wir damals ziemlich kreativ. Das alte Varulv-Logo gefiel mir nie, darum setzte ich mich eines Nachmittags hin und zeichnete das aktuelle, und ich denke, es ist mir ganz gut gelungen, dafür, dass ich kein zeichnerisches Talent aufweise.
Richtig vermutet! „Varulv“ kommt aus dem Schwedischen und heißt „Werwolf“.
Eure beiden Vorgängeralben habe ich mir noch gar nicht angehört. Vielleicht, weil ich die Befürchtung habe, dass sie nicht ähnlich und vielleicht auch gar nicht so gut wie „Sagenlieder“ klingen können, hat sich doch die Besatzung mehrmals bei Euch verändert. Von den Bandgründern ist keiner mehr bei Varulv an Bord, so wie ich das sehe. Seid Ihr nun zu zweit aktiv, wie im Booklet abgebildet, oder doch zu dritt, wie auf Fotos im Netz zu sehen? Kannst Du das scheinbar komplizierte Bandgefüge Varulvs etwas näher erläutern?
Natürlich hat sich bei uns einiges getan. 2011 kam die erste Scheibe „Hellish Presence“ über Naturmacht Productions raus. Zu diesem Zeitpunkt bestand Varulv noch aus fünf Musikern, ehemalige Mitglieder der mächtigen Hellsaw und Impurity sind nur zwei, welche mir auf Anhieb einfallen. Dieses Album war rau und düster und hat bestimmt seinen eigenen Charme, doch von der jetzigen Besetzung war damals keiner dabei. Aber um die Anfänge Varulvs und die zahlreichen Ex-Mitglieder zu ehren, spielen wir noch den einen oder anderen Song live. „Wolfszorn“, das Vorgänger-Album zu „Sagenlieder“, schlug mit Irrah den Fryktelige an der Gitarre und am Mikro als auch mit mir an den Drums und dem letzten Bandmitglied Grymnir am Bass eine etwas andere Richtung ein. Textlich hauptsächlich mehr ins dunkle Mittelalter gezogen, mit modernerem Sound und paganem Touch. Auf diesem Album finden sich auch zwei Songs wieder, welche nicht unserer Feder entsprungen sind – sie existierten bereits auf einer grottenschlechten Split mit Tattered Soul und Nightforest sowie als Single… Da wir den Songs jedoch die Beachtung schenken wollten, welche ihnen gebührt, kamen sie erneut auf das Wolfszorn-Album. Zusammengefasst kann ich Dir eigentlich jedes dieser Alben empfehlen, auch wenn „Sagenlieder“ unser Favorit ist. Für Fans dieses Albums ist bestimmt das eine oder andere Stück auf den Vorgängern ebenso empfehlenswert!

Als wir „Sagenlieder“ aufnahmen, waren wir zu zweit, aber mit einem Label im Rücken, welches volles Vertrauen in uns setzt, so wie es wohl kaum bei einem anderen gesehen wird. Wir gingen ins selbe Studio, wo wir auch schon mit „Wolfszorn“ waren. Irrah spielte alle Gitarren- und Basslines ein, und nahm den Gesang an nur einem Nachmittag auf! Ich prügelte die Drums auch an einem Nachmittag ein, danach dauerte es nur knappe zwei Wochen bis Schnitt, Mix und Mastering beendet waren! An dieser Stelle möchte ich meinen allergrößten Respekt und Anerkennung Stefan Kaschel mit seinem Studio Audio Riot aussprechen! Was dieser Mann in so kurzer Zeit auf die Füße stellte, ist einfach nur unglaublich!
Manchmal muss man sich von Bandkollegen trennen, auch wenn man sie als Freund sehr gern hatte. Mehr muss darüber nicht gesagt werden, außer Danke für die guten Momente!
Nach längerer Suche fanden wir in Hall Wolf einen zynischen Ungustl, welcher nun seit einigen Monaten den Part am Bass übernommen hat! Es ist eine Bereicherung mit ihm zu spielen, da er sein Handwerk wirklich beherrscht und sich gut in die Band einbringt! Ein Rhythmus-Gitarrist ist auch gerade im Begriff unser Line-Up zu vervollständigen, doch dazu möchte ich im Moment noch nichts verraten.
So werde ich mir zumindest „Wolfszorn“ doch noch geben müssen… Aber sage mal, wäre es bei so einem stark einschneidenden Besatzungswechsel, heißt alle Gründungsmitglieder raus, nicht logischer gewesen einen neuen Bandnamen zu wählen, als unter demselben weiterzumachen?
Tue das! Höre da auf jeden Fall rein!
Wir spielten tatsächlich mit dem Gedanken, da „Wolfszorn“ ja aufgenommen wurde, als ein Gründungsmitglied noch in der Band war. Und da wir den letzten Verbliebenen von der Original-Besetzung fragten, ob wir mit dem Namen Varulv weiter machen durften, sahen wir kein Problem darin.
Trotz beibehaltenem Bandnamen habt Ihr aber mit dem neuen Logo wie dem neuen Album „Sagenlieder“ doch irgendwie eine neue Ära in der Geschichte Varulvs eingeläutet, scheint es mir. Siehst Du das auch so?
Definitiv! Es ist unser erstes komplett selbst komponiertes Album, ohne den Einfluss von Dritten. Irrah hat einen sehr kalten Schreibstil, manche Nummern drücken schwer aufs Gemüt. Aber genau so stelle ich mir unsere Musik auch vor und so soll es bleiben.
Auch inhaltlich habt Ihr einen etwas anderen Kurs eingeschlagen, wofür wohl Du als Textschreiber am meisten verantwortlich bist. Wie bist Du auf den Trichter gekommen, alte Sagen zu vertonen? Das erste Lied „Knochenkult“ weicht da jedoch etwas vom Weg ab, oder?
Das ist korrekt, früher drehten sich die Texte um Natur, Satanismus und Magie. Als erstes wurde der Satanismus im Sinne der Verherrlichung Luzifers gestrichen. Damit konnten wir einfach nichts anfangen. Die Idee mit dem Aufleben der Sagen kam mir in den Sinn, als ich ein altes Buch meiner Großmutter wieder aus dem staubigen Regal herausholte und mich bei einer Flasche Met verzaubern ließ. „Knochenkult“ weicht als einzige Nummer von den Sagen ab, wurde sie doch dem Künstler hinter Kvlt&Knochen gewidmet, ein Freund meinerseits, welcher beachtliche Kunststücke im Bereich des Knochenschnitzens hervorbringt!
Kvlt&Knochen sagt mir was… Warte mal… Ach ja, dieser Künstler wurde in unserem Interview mit der Band Mosaic erwähnt. Kennst Du diese Band bzw. gibt es da irgendwelche Schnittstellen zwischen Euch? In Eurem aktuellen Video zu „Knochenkult“ kann man auch sehen, dass Ihr viele verschiedene Schädel und Knochen verwendet, und auf der Bühne wird dies nun wohl auch der Fall sein, nehme ich an. Hat das eine besondere Bedeutung für Euch? Und von der Blut-Optik der alten Tage habt Ihr nun Abstand genommen?
Wir haben keinen Bezug zu dieser Band. Die meisten Knochen und Skulpturen aus dem Video waren Leihgaben von Kvlt&Knochen, wir haben nun jedoch auch einen Microständer mit einem Hirschschädel, wo unser Wappen sowie Varulv in Runenschrift in die Stirn eingraviert sind. Wir finden, mit den Knochen und Schädeln hat es stets etwas besonderes auf sich, sie beinhalten alle eine Geschichte, welche wir niemals erfahren werden. Wir nehmen, was der Schnitter zurücklässt und zelebrieren damit das Leben und den Tod. Unser Outfit-Wechsel spiegelt unsere Weiterentwicklung als Band, ich wollte Lumpengewänder in Erdtönen – eine bekannte aus Tirol entwarf die Outfits, welche uns auf Anhieb sehr gefielen!

So komplett mit Blut beschmiert zu sein ist bestimmt auch kein tolles Gefühl, kann ich mir vorstellen. Oder hast Du dazu eine andere Meinung? Wie auch immer, das neue Image steht Euch definitiv besser! Nicht dass es massentauglicher wäre, es passt aber besser zu dem, was Ihr nun mit Eurer Musik verkörpert. In so einem Titel wie „Sagenlieder“ schwingt auch ein kleiner Funke Nationalstolz, das natürlich im positiven Sinne gemeint, irgendwo mit, oder liege ich da falsch? Ihr seid bestimmt froh Österreicher zu sein und lebt gerne in diesem gebirgigen und waldreichen Land. Da ist es doch natürlich, dass man sich als Band heimatlicher Themen annimmt…
Hehe, danke! Ja natürlich gibt es eine patriotische Ader in uns allen, bei einem dermaßen wunderschönen und so unterschiedlichen Land mit den gigantischen Alpen, den Bächen und Flüssen, den Höhlen und Burgen. Ich liebe die Natur dieses Landes und bin überaus froh hier mein Leben fristen zu dürfen! Alle Fotos von unserer neuen Scheibe bezeugen Österreichs Schönheit. Wenn man sich darauf einlässt, verschlingt einen diese Blüte – und man wird nie wieder freigelassen, haha!
An Inspirationsquellen wird es jemanden, der den Blick für die Schönheit der Natur entwickelt hat, nie mangeln. Unter diesen Umständen wird man von Euch sicherlich noch einiges erwarten können, denke und hoffe ich. Bleibt Ihr vorerst noch bei den Sagen bzw. zeichnet sich schon ein neuer Schatten am Horizont ab?
Unser Land ist uns bestimmt eine große Inspirationsquelle! Die Geschichten, welche sich hier in nahezu jeder Ecke verbergen, sind es wert wieder erzählt zu werden. Ob unsere nächste Scheibe an „Sagenlieder“ anknüpfen wird oder nicht, kann ich noch nicht sagen. An Material mangelt es nicht, jedoch gibt es viele Themen, welche uns interessieren. Was die Zukunft bringt, wissen die Nornen allein…
Daraus kann ich entnehmen, dass Ihr noch keine konkreten Pläne für den Nachfolger habt. Bestimmt kannst Du auch noch nicht sagen, wann in etwa mit dem nächsten Material von Euch zu rechnen ist, oder doch?
Da liegst Du richtig, es ist noch zu früh. Jetzt gilt es erst einmal die neue Scheibe an den passenden Schwarzmetaller zu bringen. Da uns Festivals weitgehend ignorieren und wir bei keiner schicken Booking Agentur sind, ist dies alles halt schwierig. Verständlicherweise interessieren sich viele Booker nicht für uns, zu wenig Push ist da vorhanden, und im Gegenzug wird der Markt mit halbherzigen, talentfreien „Für-gratis-spiel-Bands“ regelrecht zugeschissen, da die Perle aus der Gülle zu ziehen nicht gerade leicht sein mag. Es wird definitiv neues Material geben, bestimmt in den nächsten ein bis zwei Jahren.
Ich hoffe, dass Ihr auch durch uns zumindest ein paar neue Hörer gewinnt. Aber auch dadurch, dass Ihr den Satanismus über die Planke habt gehen lassen, werden sich nun bestimmt weitere neue Zuhörer für Euch interessieren, kann ich mir vorstellen. Vielleicht auch welche aus der Unblack-Metal-Szene, die mit so düsteren, aber thematisch relativ neutral dastehenden Sagen auch etwas anfangen können. Was meinst Du?
Wir betteln nicht um Aufmerksamkeit, doch ich finde, dass die motivierten Schwarzmetaller es verdienen von dem ewigen Laster der immer gleichen Bands, ob auf Festivals, in Magazinen oder Werbung, erlöst zu werden. Denn seien wir mal ehrlich – es gibt so viele Bands, welche bedeutend bessere Sachen abliefern als so manche Kapelle aus den Neunzigern, welche nur wegen ihres Namens und nicht wegen der musikalischen Überzeugung überall zu sehen ist. Wir richten uns an ein kleines Publikum, aber dieses soll uns auch wahrnehmen können! Ich danke jedenfalls für dieses überaus spezielle Interview. Ein Heil an die Waldhalla Crew, macht weiter so, ich werde Euch auf jeden Fall weiter verfolgen – lieber zehn Waldhalla Mags als ein Legacy oder Metal Hammer – auf diese Magazine kann man nur scheißen!
Auch ich danke Dir Heimdall! Es war mir ein Vergnügen mit Dir ein paar Worte zu wechseln! Wir behalten Euch ebenfalls im Auge sowie im Ohr!
