Ainulindalë – Nevrast

Ainulindale - Nevrast

Wer das Debüt „The Lay Of Leithian“ von Ainulindalë aus dem Jahre 2004 kennt, der wird sofort den relativ großen, durch den langen zeitlichen Abstand von 10 Jahren begründeten Unterschied im Gesamtsound von „Nevrast“ bemerken. Während die ruhigen Klänge der ersten Veröffentlichung sehr bedächtig und durch die oft unaufdringlich eingesetzte Stimmlage irgendwie schemenhaft, eigentlich schon fast körperlos und somit nur sehr schwer greifbar wirken, wird hier ähnlich dem grandiosen Song „A Year of Silence“ (exklusiv auf der Compilation „Whom the Moon a Nightsong Sings“ zu finden) ein viel umfangreicheres Instrumentarium aufgefahren. Zahlreiche Gastmusiker (u. a. mit Kontrabass, Flöte, Violine und Posaune) verleihen der Musik einen ganz speziellen und eigenen Charme, welcher durch die nun voluminöser erschallende Stimmlage des „Königsbarden“ sowie das konträre Wechselspiel mit den grazilen Vocals von Alice Jean noch zusätzlich verstärkt und dauerhaft aufrechterhalten wird. Das Geister- bzw. Nebelhafte des Vorgängeralbums bleibt hierbei nach wie vor erhalten, was sich ebenfalls in dem tollen und sehr dezenten Zeichnungsstil von Florence Guillot widerspiegelt. Die besten Beispiele hierfür sind die Songs „The Parting“ und „Vinyamar“. Während das erstgenannte Lied das komplette Spektrum von Ainulindalë umspannt (definitiv die stärkste Nummer des Albums), fällt das zweitgenannte mit einer wunderschönen Gitarrenmelodie und epischen Chorgesängen um einiges minimalistischer aber keineswegs weniger atmosphärischer aus. Und obwohl einige der Tracks eventuell mehr einprägsamere Melodievariationen missen lassen, so ist hier überall das eingeflossene Herzblut des Künstlers spürbar vorhanden. Bei Ainulindalë ist unbestritten unheimlich viel Potenzial vorhanden, um in der Zukunft in einem Atemzug mit den größten Bands des Acoustic- bzw. Neofolk-Genres wie z. B. Empyrium, Vàli oder Nebelung genannt zu werden. Engwar, der das gesamte Album in Eigenregie mühevoll aus dem Boden stampfte, verdient es deshalb voll unterstützt zu werden. Und übrigens, neben der regulären Audio-CD liegt dem Digisleeve auch noch eine Extra-DVD bei, welche das komplette Album nochmals als einen 5.1 Surround Mix enthält.

(auch veröffentlicht im Hammerheart Fanzine #10, Mai 2016)