Als ich Olli die neue, auf „Waldmark“ betitelte CD von Alastor in die Hand drückte und ihm mitteilte, dass ich eine Rezension dazu schreiben werde, hat er spaßeshalber als erstes die Frage gestellt, ob man denn damit auch zahlen könne. Nein, Olli, die Waldmark ist natürlich keine Währung. Laut dem Inlay war die Waldmark vielmehr ein „historisches Gebiet zwischen der Moldau und der steinernen Mühl im heutigen Mühlviertel in Oberösterreich“. Es handelt sich also folglich um die österreichischen Alastor – lasst euch also nicht verwirren, denn laut den Metal Archives gibt es wohl noch zig andere Bands mit demselben Namen. Die Band hat sich dem Nordic Black Metal verschrieben – also quasi dem Schwarzwurzel-Metal der 90er Jahre, den sie ehrlich gesagt verdammt gut beherrscht. Erst kürzlich feierten die Jungs ihr 20-jähriges Bestehen und mit dem (wenn auch nur) dritten Full-Length-Album „Waldmark“ stürmen sie nun ein weiteres Mal aus dem Underground-Dickicht hervor!
Genauso grün-düster wie das Artwork ist ebenso das Vertonte umgesetzt, getreu dem Motto „What you see is what you get“. Bereits im ersten Track „Old Glacial Lake“ wird hier Vollgas gegeben. Die Drums scheppern, die Gitarren sägen sich ins Gehör, und das ganze Konstrukt wird mit der rotzig-erdigen Stimme von I.F.S. (die mich auf Anhieb überzeugte und Vergleiche zu der von Sakis Tolis von Rotting Christ zulässt) gepaart. Der Opener überzeugt zudem mit einem gekonnt gesetzten, wohl aber dezenten Ohrwurm und einer unheimlichen Atmosphäre, die sich wie ein dunkler Herbsthimmel über der ganzen Waldmark ausbreitet. Der Titeltrack selbst (der als Einziger in Deutsch eingesungen ist) prescht anfangs wie ein wildgewordener Eber aus dem Unterholz hervor, um dem Hörer dann einige rasante Tempowechsel und einen verdammt geilen Refrain um die Ohren zu hauen. Absoluter Knaller dieses Albums ist aber wohl der „Lord of the Bohemian Forest“. Melodische Gitarrenstürme und eine derart markante Hookline, dass man einfach mitkreischen möchte, wenn die Zeilen „Choose your weapon, choose your god on the side of the Bohemian“ aus den Lautsprechern ertönen. Abgerundet durch einen tollen Spannungsbogen (besonders auch beim Drumming) macht dieser Song einfach nur richtig gute Laune!
Alastor schaffen es mit vielen kleinen Details (wie Klargesang und Akustikeinschüben) genügend Abwechslung zu erzeugen, obwohl das Dreiergespann nur mit Drums, Gitarren und Stimme arbeitet. „Waldmark“ ist zwar kein Meisterwerk, aber ein absolut solides Album mit einem natürlich produzierten Sound, der die erdige Stimmung des Albums perfekt untermauert. Den nordischen Flair treffen die Österreicher dabei ziemlich gut.
Wer jetzt noch ein paar Waldgeister und Perchten zur Musik haben möchte, der sollte einfach mal den Play-Button betätigen:
