Entgegen einiger Aussagen, denen nach das dritte Album von Beorn’s Hall nicht mehr ganz so gut wie die beiden Vorgänger sein soll, komme ich zu einem ganz anderen Schluss, nachdem das Album nun viele Male meine volle Aufmerksamkeit umkreiste. Um aber den kursierenden Widersprüchen etwas entgegenzusetzen, möchte ich behaupten, dass es sich hier um einen ganz ähnlichen Sachverhalt wie zum Beispiel bei den ersten drei Alben von Immortal handelt, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Auch die Alben von Beorn’s Hall sind alle ziemlich unterschiedlich, wenn auch mit einem erkennbaren roten Faden versehen, und jedes von ihnen hat deshalb einen unterschiedlichen Stellenwert bei jedem einzelnen Hörer. Auf „In His Granite Realm“ gibt es beispielsweise nahezu keine Americana-Einflüsse mehr (nur das Anfangsgezupfe des zum Schluss positionierten Bathory-Cover-Songs „Foreverdark Woods“ erinnert entfernt an Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer), wie es noch auf dem Zweitwerk „Estuary“ verstärkt zu hören ist. Dieses Album geht wohl ganz bewusst einen großen Schritt zurück, orientiert sich viel mehr an „Mountain Hymns“, setzt jedoch einen anderen Schwerpunkt. Ein Gemisch aus bittersüßer Dungeon-Synth-Melodik (an sechster Stelle gibt es mit „Bronze Age Spellcraft“ sogar eine reine Dungeon-Synth-Nummer) und hart stampfenden Metal-Rhythmen, das fast durchgehend in sehr ausladende Kompositionen verschnürt, lassen hier noch stärker als sonst an die glorreichen Heldentaten von Bathory denken – was auch ohne den genannten Cover-Song der Fall gewesen wäre. Vulcans klare Vocals sind von der Art zu singen auch wirklich nah an denen von Quorthon dran, so dass man ohnehin nicht umhinkommt, hier den Vergleich zu Bathory zu ziehen. Zudem bleibt dieses Album absichtlich unter dem Mantel einer staubigen, dumpf hallenden Produktion verhüllt, um den Klang alter, längst vergangener Zeiten einzufangen. Wird dem ein oder anderen vielleicht zu blechern in den Ohren klingen, dem anderen wiederum gerade deshalb ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern und gut verstaute bzw. lieb gehegte Erinnerungen aus dem tiefsten Dornröschenschlaf des Unterbewusstseins erwecken. Ich persönlich habe deshalb nicht das Allergeringste an diesem Machwerk auszusetzen. Der regelmäßige Wechsel zwischen ruhigen Übergängen und mächtig gesalzenen Riffbrechern, den harschen und cleanen Vocals, das erschafft eine ganz besondere Stimmung, die mich immer wieder in ihren magischen Bann zieht. Großartig!
Beorn’s Hall – In His Granite Realm
