Mit „Passage“, dem Zweitwerk des russischen Zwiegespanns Depicting Abysm, wurde über Naturmacht Productions ein schwer lastender Black-Metal-Brocken in die Musikwelt hineingeschleudert. Der Opener verfrachtet den Hörer sogleich in ein am Anfang von Windgeräuschen umspieltes und kurz darauf aus einer leicht morbiden Gitarren-Melodie und einem wie dicke Regentropfen konstant dahinplätschernden Drumming bestehendes Gewitter, welches gleichwohl atmosphärisch wie auch irgendwie depressiv wütet und zum Ausbruch aus der menschlichen Hülle animiert. Das im Verlauf des Tracks einsetzende Geweine mit dem anschließenden Erlösungsschrei untermauert noch zusätzlich diesen Eindruck. „Passage“ ist ganz klar eine ergreifende und Spannung aufbauende Scheibe mit tollen, meinem Empfinden nach sogar leicht in den Bereich des Funeral Dooms überschwappenden und permanent zum Weiterhören anspornenden Melodien.
Nun gut, der eine oder andere mag vielleicht sogar zu Recht behaupten, dass die hier aufgefahrenen Melodien in der Tat ein wenig zu ähnlich klingen, doch wenn man sich etwas intensiver in diese Musik hineinhört, wird man genügend Unterschiede zwischen den fünf Songs des Albums ausmachen können. Im vierten Track „Gathering“ erhalten die Musiker A. (alle Instrumente und Programmierung) und K. (Gesang) sogar Unterstützung von einem Violinisten. Kameris Theodoros drückt dem Song seinen prägnanten Stempel auf, wodurch Depicting Abysm selbst bei den kleinkariertesten Nörglern einiges an (Friedhof)Boden zurückgewinnen dürften, lassen sich hier doch zumindest spinnwebengleiche Vergleiche zu den britischen Doom-Metallern von My Dying Bride durch den Gedankenraum ziehen.
Dunkle Schatten türmen sich auf, füllen eine leere, schmerzzerfressene Seele auf ihrem letzten Gang, hinein ins Nirgendwo…
Leider erschließt sich mir aber das auf einem Gedicht des jung verstorbenen russischen Poeten Semyon Nadson basierende und philosophische Konzept des Albums nicht so ganz, da alle auf dem Digipak abgedruckten Lyrics in der kyrillischen Schrift verfasst sind. Immerhin sind die Songtitel auf Englisch. Mit diesen wie mit dem oben aufgeführten Zitat von der Naturmacht-Productions-Seite lässt sich immerhin eine grobe Tendenz der Marschrichtung erkennen.
Allen Interessierten rate ich bei „Passage“ von kurzen Hörproben ab, da derartige Vorgehensweise eigentlich nur einen sehr oberflächlichen Eindruck von dieser düsteren Musik vermitteln kann. Hier muss ich ausdrücklich eine äußerst ausgedehnte Listening Session verordnen.
