Durothar – Auf See

Durothar - Auf See

Immer wenn ich den Begriff „Viking Metal“ höre, klingen mir gleich Amon Amarth in den Ohren – auch wenn sie selbst diese Klassifizierung für ihre Musik ablehnen. Aber hier soll es weder um Amon Amarth noch um die – aus meiner persönlichen Sicht – schwammige Genredefinition des Viking Metals gehen. Brandneu und frisch an den Strand einer eiskalten Nordsee gespült liegt das Erstlingswerk „Auf See“ der Hamburger Band Durothar vor mir, die sich hier musikalisch ins Fahrwasser der nordischen Völker begibt.

„Heimathafen“, „Beutefahrt“, „Mann über Bord“, „Die Vogelinsel“ – wer sich die Trackliste des Albums durchliest, dem wird schnell klar, dass der Albumtitel „Auf See“ wörtlich zu nehmen ist. Durothar sorgen in zehn windgepeitschten Songs dafür, dass einem ordentlich die Gischt um die Ohren fliegt. Mit ihrem prügelnden Schlagzeug und den rasenden Gitarren bieten die Hamburger gleich von Beginn an ordentlich Haarwedelpotenzial, welchen sie bis zur letzten Spielminute durchhalten. Ich würde mich nicht wundern, wenn die Band live ein echter Genuss ist, bei dem besonders die Nackenmuskulatur arg strapaziert wird. Es sind gerade Songs wie „Mann über Bord“ oder das gut mitsingbare „Mittwinter“ sowie der Titeltrack „Auf See“, die eine gehörige Portion Tempo vorlegen.

Wer auf dem wie ein Drachenschiff durch die sturmgeplagte See jagenden Album hingegen auf Verschnaufpausen hofft, der muss schon genau hinhören. Denn weder ruhige Instrumentalparts noch ganze Akustikstücke, wie man sie auf manch anderem Album findet, sorgen für Momente der Erholung. Einzig „Die Vogelinsel“ oder „Immer weiter“ setzten etwas weniger auf Geschwindigkeit, als mehr auf ein rhytmisches Stampfen der Gitarren. Die restlichen Songs zeichnen sich vor allem durch eine melodiöse Geschwindigkeit aus, die mich an die bereits eingangs erwähnten Amon Amarth erinnert. Klar, Vergleiche mit anderen Bands sind immer so eine Sache: Entweder findet man sie unfair oder man fühlt sich geehrt. Dazwischen liegt eine durchmischte Grauzone. Trotzdem komme ich im Falle von Durothar nicht um diesen Vergleich umher. Es sind besonders die Gitarren in Kombination mit dem Gesang, der zwischen düsterem Growl und hohem Kreischen wechselt, welche mich an die bekannte Viking-Metal-Band aus Schweden erinnern.

So geht es schlussendlich also doch ein wenig um Amon Amarth, auch wenn ich zu Anfang etwas anderes versprochen habe. Aber der Vergleich mit bekannten Größen muss ja nichts Schlechtes sein. Zumal Durothar nicht wie eine „deutsche Kopie“ klingen, sondern durchaus Eigenständigkeit aufweisen und – wie ich finde – eine Spur düsterer auf ihrem vom Meer beherrschten Album daherkommen.