Eliwagar – I Vølven’s Vev

Eliwagar - I Vølven's Vev

Eliwagar – das ist die Bezeichnung für die elf Flüsse aus der Snorra-Edda, die sich aus dem Brunnen Hvergelmirs einst ergossen. Leser, die mit nordischer Mythologie vertraut sind, werden wissen, dass dies ein vorangegangener Teil der Entstehungsgeschichte unserer Welt aus der Sicht der Nordmannen ist. Schnell wird klar, um welche Thematiken es sich folglich bei der aus Norwegen stammenden Ein-Frau-Band handeln muss. Initiatorin Runahild nimmt aber keinesfalls Kurs auf „typischen Heidenkram“ oder ausgelutschte Pagan-Themen. Vorwiegend werden hier Kosmos, das Licht und das Leben rund um die nordische Mythologie bzw. dem alten Glauben verflochten. Sie scheint ebenso optisch wie auch musikalisch auf ehrliche Weise ihre Musik als eine Art Lebenshaltung zu praktizieren. Eine Seltenheit, die dem Projekt eine persönliche Note, Glaubwürdigkeit und Sympathie zugleich einräumt.

„I Vølven’s Vev“ ist nun bereits das zehnte Studio-Album, das auf dem eigenen Label Nordafolk Records erschienen ist. Der anfängliche Stil der ersten Alben lässt sich wohl am ehesten als Folk Rock beschreiben, wo hingegen das neueste Album eher als Nordic Dark Folk zu betiteln ist, welches sich zudem noch intensiv einen Platz in den eigenen Hörgängen sichert. Es werden keine elektrischen Instrumente verwendet, was der düsteren und melancholischen Stimmung erst recht zugutekommt. Diese steht allerdings im krassen Gegensatz zu der textlichen und durchaus positiv gemeinten Aura des Albums, wie man es gut an Textstellen wie z. B. „Dance and sing, live and love“ (die englischen Texte sind sinnvollerweise ebenfalls im Booklet enthalten) aus dem Song „Allmøthers Volves“ erkennen kann. Die Kompositionen der einzelnen Songs stammen, abgesehen von „Vølvens Gravhaug“, allesamt aus eigener Feder wie die komplette Instrumentierung (abgesehen von der Tin Whistle in einem Song) und ebenso die wundervollen Naturfotografien. Davor ziehe ich meinen Hut! Im Vordergrund der Musik stehen stets Flöte und Runahilds Gesang. Wäre ich Truchsess Denethor, und sollte ich einer Person „Komm sing mir ein Lied“ sagen sollen, dann würde meine Wahl wohl unweigerlich auf Runahild fallen. Ihre Stimme hat etwas Besonderes, das verwoben mit den nordischen Melodien eine ungreifbare Magie versprüht…

Runahild spinning in winter

Der Albumtitel bedeutet übersetzt „Im Gewebe der Völva“ – Völva ist der altnordische Begriff für Seherin, Hexerin oder Schamanin – und klingt erst einmal ritueller als die Musik klingt. Aber auch das bietet Runahild nebenbei bemerkt auf ihrem neuesten selbstbetitelten Projekt. Eliwagar hingegen bietet dem Hörer, wie oben bereits angedeutet, Nordic Dark Folk vom Feinsten, der zum „utesitting“ (draußen sitzen) an einem gemütlichen Feuer einlädt. Ich tue mich schwer einen musikalischen Vergleich zu ziehen, denn mit schmalzig und kitschig à la Faun hat diese Musik nichts gemeinsam. Wie Andy bereits zu „Seidgaldr“ von Runahild schrieb, hat auch dieses Album einen ganz persönlichen Charakter und sollte vom neugierigen Hörer eigens entdeckt werden. „Nordstjernen“ ist eine Hörprobe wert; es beginnt mit geheimnisvollem Vogelkrähen und gipfelt sternengleich in einem harmonischen Zusammenspiel von Trommel und Flöte. Pflichtkauf!


Eliwagar – that is the name of the eleven rivers from the Snorri’s Edda, which flowed from the Hvergelmir Fountain. Readers familiar with Nordic mythology will know that this is a previous part of the history of our world from the perspective of the Norseman. It quickly becomes clear what it’s about in the one-woman-band from Norway. Initiator Runahild does not take course on „typical pagan-stuff“ or worn out pagan topics. Mainly the cosmos, light and the life around Nordic mythology and the old faith are predominantly intertwined. She seems to practice her music as a way of life, both visually and musically. A rarity that gives the project a personal touch, credibility and sympathy at the same time.

„I Vølven’s Vev“ is now the tenth studio album, which was released on its own label Nordafolk Records. The initial style of the first albums is most likely to be described as folk rock, whereas the latest album is more like Nordic dark folk, which also provides a place in the listeners own ears. No electric instruments are used, which helps the gloomy and melancholic mood. This is, however, a strong contrast to the textual and positively intended aura of the album, as you can feel it in lyrics such as „Dance and sing, live and love“ (the English lyrics are also included in the booklet) in the song „Allmøthers Volves“. The compositions of the songs, apart from „Vølvens Gravhaug“, are all made by herself, as well as the complete instrumentation (apart from the Tin Whistle in a song) and the wonderful nature photography. I salute her! The flute and Runahilds singing are permanently destinctive. If I were the Ruling Steward Denethor, and if I should tell a person „Come sing me a song“, my choice would be inevitably Runahild. Her voice has something special, which intersperses an intangible magic with the Nordic melodies…

Runahild spinning in winter

The translation of the album title is „In the web of the volve“ – volve is the old Norse term for seeress, sorceress or shaman – and sounds more ritualistic as the music really is. But this Runahild also offers on her latest self-titled project. Eliwagar provides the listener, as already indicated above, finest Nordic dark folk, which invites you to „utesitting“ (sitting outside) at a cozy fire. It’s very hard to make a musical comparison, because it has nothing in common with corny and cheesy bands like Faun. As Andy already wrote regarding „Seidgaldr“ of Runahild, this album has a very personal character and should be discovered by the curious listener. „Nordstjernen“ is worth a try; it begins with mysterious bird crows and culminates in a harmonious interplay of drum and flute. Must-buy!