Denen, die sich mit der deutschen Pagan-Metal-Szene etwas auskennen, sind Fimbulvet sicherlich ein Begriff. Auch ich bin mit deren Soundgewand einigermaßen vertraut, muss aber leider gestehen, dass ich die Band zwischendurch komplett aus den Augen verloren habe. Schuld daran war der optische Stilbruch ihres dritten Albums „Frostbrand – Nach Flammen Sehnsucht“, mit dem ich mich so gar nicht anfreunden konnte. Die bunte, digital bearbeitete Collage wie das neue Band-Logo sahen mir verdächtig nach einer Ausrichtung in modernere Gefilde der bis dahin auf alten Pfaden wandernden Combo aus, ein Trend, der bereits andere Pagan-Bands erfasste, aber – ich glaube, mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da – nur wenige reife Früchte trägt. Aus diesem Grund ließ ich die CD damals links liegen.
Wenn ich mir jetzt das aktuelle Langeisen von Fimbulvet anhöre, dann muss ich zufrieden feststellen, dass ich mich bei diesen Thüringern wahrlich geirrt habe! Auf dem zweiten Frostbrand-Silberling erschallt noch nach wie vor unverfälschter Pagan Power Metal, so wie man ihn kennt und auch haben möchte, mit grundsolidem Riffing und stichfesten sowie melodiebehafteten Hymnen. Für diese zeichnet sich vorrangig das vielseitige Stimmorgan des charismatischen Bandleaders Stephan Gauger verantwortlich. Mit scheinbarer Leichtigkeit vollführt er permanent einen Spagat zwischen barschen Growls, epischen Screams und wohltönenden bardenartigen Klargesängen, und erhebt dadurch das Gesamtwerk auf ein wirklich hohes Niveau. Wer mir das nicht abkaufen möchte, der sollte sich am besten schleunigst selbst davon überzeugen. Als Anspieltipp empfehle ich „Totenbeschwörer“ oder „Uralt“, für mich die stärkste Nummer des Albums, welche augenblicklich zündet. Garantiert!
Das einzige, was mich an „Frostbrand – Eines Bildnis Tracht“ ein wenig stört, abgesehen von der identisch zum direkten Vorgänger gehaltenen Visualisierung, ist die Soundqualität. Irgendwie scheinen mir die Trommeln und der Bass einen kleinen Tick zu vordergründig, dafür die Gitarren ein wenig zu hintergründig abgemischt. Vielleicht ist es aber nur mein persönliches Empfinden. Wenn es Fimbulvet gelingt, beim nächsten Mal ebenfalls dermaßen stark oder sogar noch stärker aufzutreten und die schnelleren, berserkerartigen Parts noch ein wenig spannender als bisher zu gestalten, dann dürfte ein Ehrenplatz in Wotans goldenen Hallen ihnen sicher sein.
(auch veröffentlicht im Hammerheart Fanzine #9, Mai 2015)
