Rïcïnn – Lïan

Rïcïnn - Lïan

Es gibt Alben, die sind so schwer wie ein Schmetterling zu fassen – und ebenso wunderschön. Diese Alben sind oftmals ein wenig schwer zu erklären. Und ebenso oftmals sind sie ziemlich vom Geschmack ihres Hörers abhängig. Möchte sich dieser Jemand in neue Gefilde wagen? Etwas bisher Ungehörtes ausprobieren? Oder sagen ihm eher die bekannten (und vielleicht auch ausgetretenen) Pfade zu?

Wenn man auf erstere Kategorie steht, dann ist man beim finnischen Label Blood Music schon mal per se häufig an der richtigen Adresse. Stößt man dort auf Lïan der französischen Gruppe Rïcïnn (die sich nach ihrer Sängerin benannt haben, welche im wahren Leben auf den Namen Laure Le Prunenec hört), ist man noch ein Stück näher am Ziel. Was hier so salopp als Avantgarde Metal bezeichnet wird, enthält erstaunlicherweise wesentlich mehr Avantgarde als Metal. Und verdammt viel klassische Musik. Aber der Metal – und vor allem der von einigen Bandcamp-Kommentatoren angeblich irgendwo auf mysteriöse Weise herausgehörte Black Metal – den muss man wahrlich suchen. Zwischen den Zeilen versteckt sich dann allerdings tatsächlich ein Hauch von Metal (ein sehr feiner Hauch, wie ein Flüstern im Winde), obwohl ich vom Gefühl her die ganze Truppe eher dem Folk-Bereich zuordnen würde. Aber wer bin ich schon?

Das größtenteils von Sängerin Rïcïnn getragene Album erinnert mich stimmlich stellenweise an die dänische Pagan-Folk-Band Valravn. Zusammen mit den männlichen Gesangsparts von Laurent Lunoir ergibt das eine interessante Mischung, die zwar wenig Spannung aber jede Menge Harmonie mit sich bringt. Instrumental wird hier mit Cello und Akkordeon nicht sonderlich tief, aber doch ein kleines bisschen in die Experimentierkiste gegriffen. Den Rest erledigen aktustische Gitarren und ein dezent eingesetztes Schlagzeug. Mehr braucht die extraordinäre Mischung aus avantgardistischen Klassik-Metal-Komponenten auch nicht – außer vielleicht eine Spur mehr Metal? Ach na ja, nicht unbedingt, denn das erledigt die sanfte Epik, die sich in Stücken wie „Orpheus“ schüchtern verbirgt, ganz gut. Oder die Gänsehaut erzeugende Stimmung in „Little Bird“, „Drima“ und besonders das sanftmütige „Lumna“ (mit dem etwas kitschigen Walgesang darin). Oder einfach die gesamte Atmosphäre des Albums, die so unheimlich leicht daherkommt, wie ein vom sanften Sommerwind getragener Schmetterling.

Mein Fazit: Rïcïnn sind recht schwer zu fassen, dazu braucht man schon ein engmaschiges und feines Netz. Schwer verdaulich sind sie deswegen aber keineswegs.