Wie viel Kraft und wie viel Energie in rein instrumentaler Musik stecken kann? Nehmt euch eine knappe Stunde Zeit, lehnt euch in euren Lieblingssessel zurück, setzt die Kopfhörer auf (oder dreht die Anlage schön laut) und lasst „The Ever Shifting Fields“ der Schweden von Seas of Years durch eure Ohren gleiten. Schon nach kurzer Zeit werdet ihr merken: So viel Kraft steckt in instrumentaler Musik. Es mag haufenweise Gruppierungen und Einzelkämpfer in den Bereichen der akustischen Metal- und Rock-Genres geben, aber Seas of Years machen, wie ich finde, von Anfang an alles richtig.
Ohne einen Moment des Innehaltens und ohne einem die Zeit zu lassen noch einmal tief Luft zu holen, beginnt „The Ever Shifting Fields“ wie aus dem Nichts. Es ist einfach plötzlich da. Hätte das Album die Geburt des Universums zum Thema, wäre dieser Einstieg so etwas wie eine Punktlandung. Kaum überraschend sind es vor allem die Gitarren, denen auf dem knapp 50-minütigen Album eine tragende Rolle zuteil wird. Alle anderen Instrumente treten auf „The Ever Shifting Fields“, trotz ihrer ebenbürtigen Dominanz, vergleichsweise sanft in den Hintergrund und bilden so die perfekte Untermalung der großartigen Klangkulisse, die vor allem eines ist: Durch und durch lebendig. Die Melodiebögen, welche die Stockholmer Vierertruppe ihren Instrumenten entlockt, sprühen nur so vor Lebendigkeit und Frohgemut, obwohl sie auch eine leichte Melancholie nicht verbergen können. Aber ich schätze, das muss bei skandinavischen Bands einfach so sein.
Andersson, Lindholm, Muhr und Sjöström (die Köpfe hinter Seas of Years) stellen hier ganz großes Akustik-Kino auf die Beine, vor dem man sich in meinen Augen nur verneigen kann, und liefern feinsten Ambient Metal, der von der ersten bis zur letzten Spielminute Spaß macht. Diese Musik kommt völlig ohne Sprache aus und weiß dennoch jede Menge Geschichten zu erzählen. Ein kleines Meisterwerk, das absolut zu Unrecht ein Schattendasein führt.
