In unserem Interview mit Surturs Lohe hat Ragnfalt behauptet, dass das, was uns auf „Seelenheim“ erwarten wird, die mächtigsten und erhabensten Songs sein werden, die Surturs Lohe je veröffentlicht haben. Nachdem „Seelenheim“ bereits unzählige Runden lang in der Umlaufbahn meines Players kreiste, muss ich dieser Aussage leider widersprechen. Das aber auch nur im Hinblick auf das geniale Vorgängeralbum „Nornenwerk“, dessen überragende Stellung in der deutschen Pagan-Metal-Szene ich nicht schmälern kann bzw. möchte. Aus eben diesem Grund muss ich „Seelenheim“ auf die gleiche Ebene wie „Nornenwerk“ stellen, ist doch das neue und sehnsüchtig erwartete Material der Thüringer gleichermaßen herausragend und schlägt zielgenau in die gleiche Kerbe des qualitätsbewussten Pagan Metals aus den Tiefen der deutschen Wälder. Wer etwas anderes behauptet, der muss was an den Ohren haben oder ist schon lange für immer taub!
Gleich der erste richtige Song „Lohe Surt“ bringt das Blut des geneigten Hörers unmittelbar zum Kochen. Die klanglich vollendet arrangierte Gitarrenarbeit ist hochgradig ansteckend, so dass man selbst Geister mit der Kraft dieses Songs aufwecken lassen könnte. Im darauffolgenden titelgebenden Song „Seelenheim“ werden diese dann auch direkt beschworen: Der teilweise an die naturmystischen Empyrium-Alben erinnernde Anfang scheint zunächst wie vom Nebel verhüllt, bis der Song abrupt an Fahr aufnimmt und mit dem genialen Duett-Gesang von Alraun und Reki die herabgefallenen Blätter aufwirbelt. Weitere starke Breaks, die wie Axthiebe ins Songgefüge niederfallen, machen den Titeltrack zu der wohl bisher abwechslungsreichsten Surturs-Lohe-Komposition, die – zugegeben – ein wenig wie ein gut zusammengefügter Mix aus vielen diversen Einflüssen anmutet. Beim vierten Song „Unter der Linden“ (bevor sich jemand an diesem Titel aufhängt, sei hier direkt angemerkt, dass es kein Vertipp- oder Rechtschreibfehler ist, sondern nur die ursprüngliche Schreibweise des hier interpretierten alten Liedes von Walther von der Vogelweide) regiert dann aber schon wieder der typische, alle Stärken der Band beinhaltende Surturs-Lohe-Klang. Mit dem unter anderem feingliedrigen und von grazilen Melodien getragenen Flötenspiel sowie dem variablen Gesang bekommt man hier alles geboten, was man an Surturs Lohe schätzt und kennt. Genauso weiter geht es dann bis hin zum Ende des Albums, das mit dem zehnmünitigen Epos „Schildwacht“ majestätisch abgeschlossen wird. Danach bleibt nur der schnelle Druck auf die Repeat-Taste, um mit dem sagenhaft inszenierten Intro „Der Kaiser im Berg“ dieses musikalische Spektakel von vorne beginnen zu lassen…
Das Urteil: „Seelenheim“ ist einfach nur ein grandioses Stück Heiden-Metal geworden, auch wenn es nicht auf Anhieb ganz so zugänglich wie „Nornenwerk“ ist. Die Geduld wird hier aber belohnt! Die Flammen Surturs lodern erneut ganz hoch, so dass man voller Inbrunst hoffen kann, dass weitere thüringische Bands diesem Ruf folgen und ebenfalls frisches Holz in das lichterloh brennende Feuer nachlegen werden, bevor dieses zum Erlöschen kommt.
Als Fan der Band greift man natürlich zu der stark limitierten Box, welche neben dem Digipak auch eine Bonus-CD mit zwei neu arrangierten Tracks sowie dem remasterten Urda-Demo (bei dem noch Thomas Helm von Empyrium unter dem Pseudonym Myrkwidr mitwirkte) beinhaltet. Ein schönes Hochglanzposter, das eine Collage mit vielen Live-Fotos darstellt, und ein Patch runden dieses rundum gelungene Paket sehr schön ab.
