Es ist nicht alles Gold, was glänzt, sagt man so schön*. Es ist auch nicht alles Black Metal, wo Black Metal drauf steht. Ein kleines Beispiel gefällig? Violet Cold – einer von schier unzähligen Solokünstlern, die man besonders im Bereich der instrumentalen Musik findet – liefert mit „Magic Night“ etwas wahrlich Magisches ab. Nur, dass das Album größtenteils (wie ich zumindest finde) nicht viel mit atmosphärischem Black Metal zu tun hat, sondern eine ganz eigene Version dieser Musikrichtung kreiert. Ich komme nur darauf zu sprechen, weil die Stichworte, unter denen dieses Violet-Cold-Album bei Bandcamp zu finden ist, fast ausschließlich irgendwas mit „black“ im Namen tragen. Blackgaze, Post-Black Metal, Euphoric Black Metal und Atmospheric Black Metal – wenn man sich die Liste durchliest, sieht man ganz schön schwarz.
Den schnelleren Stücken wie „Drowned in the Lights“ und „Sea“ merkt man auch an, dass sie sich schwarzmetallischer Elemente bedienen. Das ist unbestreitbar. Doch sind weite Strecken des rein instrumentalen Albums so sehr mit hypnotisch schönen und verspielten Kleinigkeiten gespickt, dass das erstens viel kitschiger als ich es meine klingt und zweitens nicht zu meinem Bild von atmosphärischem Black Metal passt. Aber wo kämen wir da auch hin, wenn immer alles in irgendwelche vordefinierten Schubladen passen müsste.
Durch die zauberhaften Melodien von „Magic Night“ jagt vor allem ein charakterstarkes Schlagzeug mit absolutem Haarwedelfaktor. Ich muss wirklich gestehen, dass mich – zusammen mit dem wundervollen Piano, wobei es dabei keine Rolle spielt, ob es nun ein echtes oder „nur“ ein Keyboard ist – vor allem das Schlagzeug tief beeindruckt hat. Gefolgt von… ach herrje, einer ganzen Menge: Das bereits erwähnte Piano, vor Wut rasende sowie sanftmütige Gitarren und wahrscheinlich jede Menge Elektronisches aus dem Synthesizer. Violet Cold bedient sich in völliger Harmonie bei allem, was zur Stimmung passt. Und trotz des spürbaren Melancholie-Faktors macht „Magic Night“ auf voller Länge Laune. Wer sich also von einem instrumentalen Werk der Extraklasse verzaubern lassen möchte, der sollte seinen Ohren einen Versuch gönnen. Ich empfehle das abwechslungsreiche „Warm Winter“, den tempowechsel-gespickten Titeltrack „Magic Night“, das ruhige Klavierstück „For Amelie“ oder den Zweiteiler „Silver Moon“.
* Bevor das jemand falsch versteht: Hier glänzt so ziemlich alles.
